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Rundbrief vom 27. März 2009

Meine lieben Freunde!

(Rundbrief Download als .pdf)

Herzliche Grüße aus Afrika. Es ist jetzt schon lange Zeit her, seit ich euch einen Rundbrief geschrieben habe. Viele von euch wissen vielleicht gar nicht, wie es mir und der Pfarre Ololkirikirai im vergangenen Jahr ergangen ist. Ich versuche immer, wenn ich in Nairobi bin, ein wenig über das Weblog (www.barabara.at) über Aktuelles aus Kenia zu berichten. Aber jene, die kein Internet haben, bekommen so keine Nachricht von mir. Die Arbeitslast nimmt viel von meiner Zeit weg, und meistens leide ich an Müdigkeit, die es mir nicht ermöglicht, die Konzentration für das Verfassen eines Rundbriefs aufzubringen.

Im Moment erleben die Leute in Kenia wieder eine starke Trockenheit, in der zehn Millionen Menschen (d. h 1/3 der Bevölkerung) an Hunger leiden. Auf der politischen Ebene wird für die Hungernden leider nicht viel getan. Die Regierung zeigt kaum Initiativen, um den Leidenden zu helfen – eigentlich ist das Gegenteil der Fall: Den importierten Mais für die Hungerleidenden hat ein korrupter Abgeordneter in ein anderes Land teuer verkauft und das Geld davon ist verschwunden (er hat es wahrscheinlich in seine eigene Tasche gesteckt) – und ihm wurde nichts getan, er wurde strafrechtlich nicht verfolgt. Es hat auch gleichzeitig einen anderen Skandal in Kenia gegeben, in dem Petroleumprodukte (Benzin und Diesel) um Kshs 7,6 Billionen verschwunden sind, auch dies trifft vor allem die Armen nachteilig. Solche Situationen sind unvorstellbar und unerträglich. Die Erneuerung der Verfassung Kenias ist weiterhin ein großer politischer Streitpunkt, die Positionen sind festgefahren, es bewegt sich nichts. Wir erfahren irgendwie eine Hoffnungslosigkeit. Wir sind auch von der globalen ökonomischen Rezession sehr stark betroffen. Die Preise sind explodiert, den Einkauf von Lebensmittel können sich vor allem arme Menschen nicht mehr leisten. Wir können nur unsere ganze Hoffnung auf Gott setzen, dass alles wieder in Ordnung kommt.

Ololkirikirai ist im Allgemeinen gut. Die Menschen hier haben keinen Tropf Regen seit Mitte Oktober des letzten Jahres. Das ist zu viel für uns, denn im Hochland Ololkirikirai regnet es normalerweise fast jeden Tag und das Land ist ganz grün. Heutzutage gibt es kein Wasser, und auch das vom großen, neuen Untergrundtank ist schon aus. Der Mauwald brennt jeden Tag. Ich weiß nicht, wie unsere Kühe überleben werden. Unser Land schaut zwar im Vergleich zu anderen Regionen Kenias besser aus, aber wenn die Situation sich nicht ändert, dann werden wir auch unter den hungernden 10 Millionen sein. Wo anders im Maasailand leiden manche Tiere viel und sterben an Hunger/Trockenheit. 

Unser Diakon Patrick Arusey, der am 2. November letzten Jahres geweiht worden ist, wird heuer am 30. Mai zum Priester geweiht. Wir freuen uns schon darauf.

Mir, Gott sei Dank, geht es ganz gut. Ich bin sehr dankbar, dass in mir das Gefühl der guten Gesundheit und kräftigen Bewegung ist. Natürlich hat ein solch gutes Gefühl verschiedene Ursachen: Viele von euch unterstützen mich im Gebet und in Gedanken, in finanziellen Sachen – auch ich bin ganz mit euch verbunden. Ich weiß, dass ihr hinter diesem, meinen Erfolg seid. Dies gibt mir viel Freude, eine innerliche Kraft und Energie, ja, es ist eine Quelle meiner Gesundheit und eine große Hoffnung für einen weiterhin guten Verlauf meines Lebens als Priester.

Auf der materiellen Seite der Pfarre Ololkirikirai ist im letzten Jahr fast nichts passiert. Das lag einerseits daran, dass vor allem Geld fehlte und andererseits, dass ich mich mit voller Aufmerksamkeit auf die pastorale Arbeit konzentrierte. Nun möchte ich euch mit diesem Schreiben wieder ein wenig an den Aktivitäten der Pfarrei teilhaben lassen.

Im Großen und Ganzen laufen die verschiedenen pastoralen Aktivitäten der Pfarre sehr gut. Die Katechisten und ihre Pfarrgemeinschaften leisten sehr viel in den Außenstationen, die mit mir im Rahmen der großen Pfarrgemeinde sehr verbunden sind. In jeder Ortkirche ist an jedem Sonntag eine andere Basisgemeinde für die Liturgie und Predigt zuständig. Es kann zwei Wochen bis acht Wochen dauern (das ist von der Anzahl der  Basisgemeinden in der jeweiligen Ortskirche abhängig), bis die gleichen Leiter/innen und Prediger/innen wieder dran sind.

Im Allgemeinen habe ich mich sehr bemüht, verschiedene Seminare mit unterschiedlichen Themen abzuhalten. Um unsere politische Situation anzusprechen, hielten wir ein Seminar zum Thema „Gerechtigkeit – Liebe und Versöhnung“ ab. Die letzten Seminaren fanden aber auch zu folgenden Inhalten statt: Leitung in der Kirche, die zweite Afrikanische Synode, Berufung als Katechist, Katechismus der katholischen Kirche, Sakramente, Nächstenliebe in der Basisgemeinde, Liturgie und Leitung der Liturgie. Diese Seminarinhalte werden in den Ortkirchen aufgenommen; manche schneller, andere langsamer. Man kann beobachten, wie die Basisgemeinden immer mehr in ihrer Selbstständigkeit gestärkt werden. Sie treffen sich wöchentlich, um wichtige Dinge des täglichen Lebens zu besprechen und sich gegenseitig im Glauben zu bestärken. Für mich als einziger Priester in der großen Pfarre ist dies alles sehr wichtig und hilfreich in der pastoralen Arbeitsorganisation. Von meiner Sicht her geht es darum, „wie man eine Ortkirche von der Basis her aufbaut“. Es geht um „Inkulturation“. Ich bin eigentlich sehr stolz darauf und hoffe, dass mein Bischof mich hier noch länger lässt, sodass der Traum meines Priesterseins unter den Maasai weiter verwirklicht wird: Selbständigkeit in der Leitung und Verkündigung sowie materielle Entwicklung der Ortskirche.

Ich habe euch bereits im Jahr 2007 erzählt, dass der Toyota Hilux Pick Up von MIVA, der damals nur drei Jahre alt war, schon mehrere mechanische Probleme hatte und er irgendwie kaputt gegangen ist. Damals hat mich der Wagen öfters im Busch im Stich gelassen und ich musste dort übernachten. Auf guten Straßen wäre das Auto vielleicht noch in Ordnung, aber die Ololkirikirai-Straßenverhältnisse sind so schlecht, dass die Kraft dieses Autos zum Überwinden des Schlamms auf den Straßen zu gering ist. Jetzt ist mein fünfjähriger Toyota Hilux seit August letzten Jahrs immer im Krankenstand. Er ist nicht nur irgendwie kaputt, sondern ganz kaputt gegangen und lange in der Werkstatt gewesen. Sicher kann man das Auto reparieren lassen, aber die Instandhaltung kostet sehr viel, weil manche Fahrzeugteile schon ermüdet sind und so vermehrt Reparaturen anfallen. In Kenia sind im Moment die Preise extrem explodiert. Die Reparaturkosten der letzten Monate waren zu hoch für mich, ich kann weitere Werkstattbesuche nicht mehr finanzieren. Jetzt gehe ich oft zu Fuß in die verschiednen Stationen. Es dauert natürlich länger und ist ganz mühsam.

Ein besonders anstrengendes Wochenende hatte ich im letzten September: Als das Auto in der Werkstatt war, musste ich Fußmärsche ausüben: Olokurto Station (fast 30 km entfernt), Olopirik Station (ca. 9 km von Olokurto entfernt) und Enarau (ca.10 km von Olokurto). Meine Hauptaufgabe am Sonntag, den 14. September 2008 war, in jeder dieser drei Stationen eine Messe für jede Gemeinde zu feiern. Ohne das Auto musste ich schon am Samstag losgehen. Es war Regenzeit und daher gab es keine Verkehrmittel, da die Straßen für Kleinbusse nicht passierbar waren. Mit festen Schuhen, einer Regenjacke und einem Rucksack (Dank an die Österreicher/innen, die mir alle diese Ausrüstung geschenkt haben) brach ich in der Früh des Samstags nach Olokurto auf. Es hat auf dem Weg stark geregnet, ich bin viel mehr als drei Mal hinfallen und es hat mehr als fünf Stunden gedauert, bis ich in Olokurto ankam. Ich habe eine Abkürzung genommen, die allerdings sehr hügelig war. Nach meinem Ankommen bin ich gerade ins Bett, weil ich kaum einen Tee trinken konnte. Als ich um 21 Uhr wieder aufstand, wurde mir vom Katechisten ein Abendessen angeboten. Um 9 Uhr in der Früh habe ich dann eine Messe in Olokurto gefeiert und mich anschließend zu Fuß auf den Weg nach Enarau gemacht, um dort einen Gottesdienst zu feiern. Eigentlich sollte ich auch noch in der Station Olopirik einer Messe vorstehen, dass habe ich dann aber nicht mehr geschafft, ich war zu erschöpft. Nach dem Nachmittagsgottesdienst in Enarau wurde ich von den Leuten gut aufgenommen, habe gut gegessen und geschlafen. Am nächsten Tag konnte ich die Maasai im Ort von Haus zu Haus besuchen und später mit dem Krankwagen, der an diesem Tag in Enarau Halt machte, wieder zurück nach Hause mitfahren. Ja, sehr anstrengend ist es für mich gewesen. Ich musste sogar den Kanzleitag am Montag entfallen lassen, weil ich noch auf dem Rückweg war.

Am nächsten Sonntag, den 21.September, habe ich auch keine Ruhe gehabt. Das Auto war noch nicht da. Fußmärsche nach Eor-Enkitok und Naisoya standen auf meinem Programm, denn diese Stationen waren für die Sonntagmessen geplant.. Es gab kein Matatu (Kleinbus) zum Mitfahren, weil es viel geregnet hatte. Ich sollte wieder zu Fuß marschieren. Um 6 Uhr in der Früh ging es von Ololkirikirai bis Enaibelibel (ca.10 km), dann in einem Matatu bis Eor-Enkitok. Die Christen haben auf mich gewartet, mit nur einer halbstündigen Verspätung kam ich dort an. Danach marschierte ich über einige Hügel in die Station Naisoya, wo ich eine Messe zelebrierte und anschließend wieder 1 ½  Stunden zu Fuß bis Eor-Enkitok, um ein Matatu nach Hause zu nehmen.   

In Österreich hat sich in der Zwischenzeit ein Team gebildet, welches mich bei der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs unterstützt: Vorträge, Spendenbriefe etc. sind geplant bzw. teilweise schon umgesetzt. Ideal wäre ein neuer Toyota Land Cruiser Pick up, der den schlechten Straßen und großen Distanzen gewachsen wäre. Ob MIVA Austria wieder einen Teil des Fahrzeugs finanziert, ist noch ungewiss, einen Antrag habe ich aber gestellt. Weitere Informationen zum neuen Auto und dem aktuellen Spendenstand finden sich auf www.barabara.at.

Meine lieben Freunde! Ich rede immer wie ein Moraltheologe, der sich in seinem täglichen Tun für die Natur und die Bewahrung der Schöpfung einsetzt. Alle meine Bemühen in diese Richtung sind mit eurer Unterstützung sehr gut ausgeführt worden. Vor vier Jahren ist in Ololkirikirai die „Artemisia Annua“ (chinesischer Beifuss) von der deutschen Bekannten Irmtraud Welter eingeführt worden. Sie hat Seminare darüber in allen Pfarrzonen angeboten und geleitet. Sie hat dabei auch viel über andere heilende, tropische Pflanzen gesprochen. Artemisia Annua stammt aus China und Vietnam und wurde schon vor 2000 Jahren von den Leuten verwendet. Die Blätter enthalten viel Artemisinin. Wenn sie als Tee verwendet werden, kann Malaria damit geheilt werden. Artemisinin greift nicht nur Malariaparasiten an, sondern verstärkt das körperliche Immunsystem, es ist also auch gut für HIV positive Menschen. Es ist wunderbar für uns Afrikaner, weil wir oft an Malaria leiden. Ich selber habe es schon einige Male erlebt. Seit ich diesen Tee verwende, ist die Malaria bei mir nicht mehr ausgebrochen. Dafür sind wir Frau Welter sehr dankbar.

In den letzten Jahren konnten wir einige Projekte verwirklichen: der Solarstrom als Energieerzeugung (als eine umweltfreundliche, nachhaltige Energiegewinnung), der Bau des Katechistenzentrums (von den geernteten Bäumen unserer Felder) – viele Seminare finden hier statt, Bau eines großen Unterwassertanks (die Menschen in der Umgebung können frei von Typhuserregern und Würmern, sauberes und trinkbares Wasser haben). Eine Pumpe und ein Solarwarmwassertank sind schon angeschafft worden, die das Wasser ins Haus fördern und mir eine Gelegenheit geben, mit warmem Wasser zu duschen. Unsere Rinder im neuen Kuhstall  sorgen für die Erzeugung des umweltfreundlichen Biogas. All diese Projekte, außer das Biogasprojekt, welches ungefähr € 10.000 gekostet hat, sind bereits gezahlt worden. Für das Biogas habe ich einen Kredit aufgenommen, der erst noch zurückgezahlt werden muss.

Nicht nur die Kinder sondern auch unser Kindergarten ist gewachsen. Wir haben eine dritte Klasse dazu bekommen, die letzte Stufe des Kindergartens. Manche aus der Pfarre denken sogar daran, mit einer Primärschule (erste bis vierte Klasse) zu beginnen. Mit unserem Kindergartenprojekt wollen wir den Menschen aus der Umgebung zeigen, dass eine gute Betreuung und Förderung der Kinder (gepflegter Raum, guter Unterricht, warmes Essen und Tee, Spielzeuge und Schlafmöglichkeit) wesentlich für eine gute Entwicklung der Kleinen ist. Unser Kindergarten ist eigentlich der beste in der Umgebung. Ich selber möchte keine Primärschule gründen, weil es in Ololkirikirai bereits eine gibt. Wir wollen mit unserem Projekt Vorbild für den Umgang mit Kindern sein. Unsere zweite Kindergartenklasse hat ein höheres Niveau als die vierte Klasse der örtlichen Primärschule.

Das neue Ambulanzfahrzeug für die Kranken (Mobile Clinic) von MIVA Austria und anderen Spender/innen aus Europa ist seit März 2008 da. Es funktioniert sehr gut, trotz Schwierigkeiten in der Finanzierung der laufenden Kosten (momentan haben viele Leute aufgrund der Wirtschaftkrise und der Dürre kein Geld). Das Team besteht aus zwei Krankenschwestern und einem Fahrer.

Immer wieder sind die Türe der Ololkirikirai Mission für euch offen. Ihr seid ganz herzlich eingeladen mitzuerfahren, was Ololkirikirai ist und wie es ausschaut.

Ich wünsche euch eine gnadenreiche Fastenzeit und ein fröhliches Auferstehungsfest des Herrn!

Euer Richard Barabara Tarimo

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Weihnachtsgrüße

Liebe Freunde!

Gott sei Dank. Mir geht es gut, obwohl ich noch an der Arbeitslast leide.

Ololkirikirai war im Oktober, wie in Europa jetzt,  ganz kalt. Es ging ein Hagelschauer über das Land nieder und die Hagelkörner blieben bis zu drei Tage am Land liegen.

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In der Kälte wurde Gottes Sohn unter uns geboren, mit seiner Hilfe aber hoffentlich wird er in unseren warmen Herzen im kommenden Fest empfangen werden.

Ich wünsche euch ein friedliches Weihnachtsfest und Gottes Segen im Neuen Jahr 2009.

Euer Barabara

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Rundbrief Mai 2008

Liebe Freunde!
(Rundbrief Download als .pdf)
Ich darf euch allen liebe Grüße von Ololkirikirai ausrichten. Mir geht es ganz gut, obwohl ich noch immer alleine als Priester in dieser großen Pfarrei arbeite. Die Missionstätigkeit wird nicht weniger. Nachdem ich eine so schöne Zeit in Österreich und auch in Deutschland mit euch genossen habe, möchte ich euch nun wieder in Form eines Rundbriefes über den aktuellen Stand in meiner Mission informieren.

Die letzten Monate waren in Kenia von Gewalt gekennzeichnet. Es ist so Schreckliches geschehen. Viele haben sich um mich Sorgen gemacht und nachgefragt, wie es mir in dieser Zeit der Unruhe und der Ausschreitungen geht. Nach Telefonaten haben Freunde in Wien die jeweils aktuelle Situation in meinem Weblog (www.barabara.at) veröffentlicht, danke dafür. Ich bin euch für eure Sorge und Betroffenheit in dieser schwierigsten Zeit Kenias zutiefst dankbar. Ich spürte, dass ihr mit mir sehr verbunden wart.

Es ist fünf Monate her, seit ich bei euch in Europa war. Nach meinem schönen Aufenthalt bin ich gut in Nairobi angekommen. In dieser Zeit gab es schon erste Signale, dass sich die politische Situation des Landes verschlechtert hatte. Es wurde berichtet, dass es in manchen Gebieten Kenias bereits blutige Auseinandersetzungen unter den eigenen Landesleuten gab. Die Situation war angespannt.

Eine rapide Verschlechterung der politischen Lage setzte mit dem 27. Dezember 2007 ein – dem Tag er Wahl des Präsidenten. Mit der verspäteten Veröffentlichung der Wahlergebnisse ist klar geworden, dass das Land noch mehr in Unruhe geraten wird – die Gewalt eskalierte. Weltweit berichteten die Medien von den schrecklichen Vorgängen in unserem Land. Die Fastenzeit war für uns wirklich eine sehr herausfordernde Periode. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Wir waren schockiert, als wir die Gewalt gesehen haben. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm, es wird viele Jahre dauern, bis sich die Ökonomie davon erholt. Der größte Schaden aber liegt in den Köpfen und Herzen der Menschen. Ein langer Heilungsprozess wird notwendig sein, damit diese tiefen und schmerzvollen Wunden heilen können. Die Medien haben uns grausame Bilder gezeigt – wie ein Nachbar (vielleicht auch ein Christ) den anderen umgebracht (ja, abgeschlachtet) hat.

Gott sein Dank – mein Leben wurde in dieser Situation verschont, aber auch noch jetzt lebe ich nicht ohne Schmerz, in meine Seele wurde durch diese Vorgänge tiefe Wunden gerissen. Jemand von euch hat mir geschrieben und dabei den Philosoph Baruch de Spinoza zitiert: „Die Herzen werden nicht durch Waffen, sondern durch Liebe und Edelmut gewonnen.“ Als Christ kann ich nur an Jesus denken, der von der Dunkelheit des Todes ins Licht der Auferstehung gereist ist. Jesus hat gegen alles, was uns Tod bringt gekämpft und gewonnen; in diesem Sinne hat er uns die Aufgabe und Kraft gegeben, damit wir in seine Fußstapfen treten und ihm folgen können. Christus gibt uns den Frieden, den niemand uns geben kann. Es zahlt sich nicht aus, wenn man das alttestamentliche Recht und die Regel “Lex Talionis” ausübt (d.h. Vergeltung von Gleichem mit Gleichem). Eine solche Regel kann nur eine Kette des Hasses und der Wut verursachen. Frieden, Versöhnung und Vergebung liegen im Herzen der christlichen Botschaft. Man sollte immer Franz von Assisi vor Augen haben: „Make me the channel of your Peace.” Diese Gedanken bildeten in den letzten Monaten das Herz meiner Predigten.

In dieser wahrscheinlich dunkelsten Zeit des Lebens, die wir in unserem Land erfahren haben, gab es aber auch viele Taten der Barmherzigkeit: Familien haben andere, von Gewalt betroffene Familien, die als Flüchtlinge umherirrten, aufgenommen. Man versuchte sich gegenseitig in der Hoffnung zu bestärken und untereinander Brücken zu bauen.

In unserer Missionsstation gab es auch gewaltsame Ausschreitungen. Ein Nicht-Maasai wurde getötet und sein Bruder fast zu Tode gehackt. Dank schneller Hilfe überlebte der Man, aber er ist jetzt ganz behindert. Wer wird sich um seine große Familie mit den vielen Kindern kümmern? In der Nachbarschaft wurde eine Familie in der Nacht verfolgt und ihr ganzes Haus niedergebrannt. Sie haben die Nacht im Bush verbracht. Dieser Familie haben wir eine Unterkunft im Pfarrhof gegeben.

Liebe Freunde! Bei meinem letzten Besuch in Europa habe ich mich gut erholt und aufgetankt. Mein 50. Geburtstag und 20-jähriges Priesterjubiläum, die ich mit euch feiern durfte, haben mir wieder innere Kraft und Energie geschenkt, so dass ich mich in meiner Missionsarbeit noch sehr lebendig und gut einsetzen kann. Für das große Geschenk der Reise nach Europa bin ich euch sehr dankbar.

Das letzte Weihnachtsfest war nicht besonders. Meiner Meinung nach haben viele Menschen und Christen ihre ganze Aufmerksamkeit der bevorstehenden Wahl geschenkt. Trotz allem war Weihnachten in vielen Orten, in denen wir die Eucharistie feiern konnten, ein schönes Fest, welches Freude unter die Christen gebracht hat.

Im Februar war Frau Evi Rehak aus Österreich zum ersten Mal bei mir in Afrika zu Besuch. Ich muss sagen, ihr Besuch war für mich sehr bereichernd. Ich danke ihr ganz herzlich dafür. Ihre Erlebnisse und Eindrücke hat sie ein einen Bericht zusammengefasst (siehe: http://www.barabara.at).

Zu Ostern habe ich bemerkt, dass die Leute irgendwie gespürt haben, dass sie Gott „aus dem Fenster geworfen hatten“ und nun versuchten, ihn wieder zu finden. Die Kirchen waren während der liturgischen Feiern gesteckt voll. Ich hatte Glück, dass unser Generalvikar, Paul Naikisi Ole Karbolo zu mir gekommen ist, um mich bei den Ostergottesdiensten zu unterstützen. Wir konnten in den fünf Tagen (Gründonnerstag bis Ostermontag) fast alle Stationen besuchen und Eucharistie feiern. Es war wirklich eine Zeit der Auferstehung vom Tod, von der Finsternis zum Licht, eine Zeit der Vergebung und Versöhnung. Gott sein Dank haben die „Hauptvertreter“ der politischen Parteien in Kenia das Gleiche gemacht. Wir freuen uns sehr darüber.

Momentan haben wir eine „Novene“ (neuntägiges Gebet) als Vorbereitung für Pfingsten, in der jede Kirche an jedem Tag einen Gebetskreis bildet. Sie versuchen nicht nur zu beten, sondern auch Bibeltexte zu lesen und darüber nachzudenken.

Ich darf euch auch ein wenig von den materiellen Aspekten meines Bemühens erzählen. Als Moraltheologe ist mir die Bewahrung der Schöpfung ein großes Anliegen. Ich bedanke mich an dieser Stelle für eure Unterstützung, mit der ich umweltverträgliche Projekte umsetzen konnte. Die Solarenergieerzeugung funktioniert noch sehr gut. Das Wasser vom neuen Tank (ca.100.000 Liter) können die Menschen aus der Umgebung schon genießen. Es wird auch ins Pfarrhaus gepumpt. Wir haben jetzt nicht nur fließendes, sondern durch einen Solarwarmwassertank auch warmes Wasser, das zum Duschen in diesem kalten Klima von Ololkirikirai einfach wunderbar ist. Wir haben zusätzliche Rinder gekauft und einen Kuhstall gebaut. Inzwischen konnte mit einem Kredit auch eine Biogasanlage errichtet werden. Mittels Kuhdung wird Biogas erzeugt, das wir bereits zum Kochen verwenden. Ich freue mich und bin stolz, dass wir uns auf diesem Weg für die Natur und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Ich denke, diese umweltfreundliche Energieerzeugung kann Afrika vor vielen Naturkatastrophen bewahren.

Ich möchte euch noch meine große Freude und die Freude unserer Leute in Ololkirikirai über das neue Ambulanzfahrzeug mitteilen. Am 27. März konnten wir den Krankenwagen „Toyota Landcruiser Ambulance“ von „Mombasa Port“ abholen. Ich darf allen, die das Auto von MIVA-Austria mitfinanziert haben, im Namen der Menschen von Ololkirikirai und in meinem Namen großen Dank ausdrücken. Das Auto wird als mobile Klinik und zum Krankentransport verwendet. Von meinem alten Auto, Toyota Hilux, habe ich schon berichtet. Es ist irgendwie kaputt. Die Instandhaltung kostet sehr viel, weil manche Fahrzeugteile schon ermüdet sind. In den letzten Tagen hat es mich mehrere Male auf der Straße im Stich gelassen. Als ich bei euch war, haben mache Freunde mich ermutigt, bald um ein neues Fahrzeug bei MIVA anzusuchen. Die Kreditrückzahlung für die Biogasanlage und ein neuer Pick up sind unsere nächsten (Finanzierungs-)Projekte.

Am Ende meines Briefes möchte mich wieder bei euch allen ganz herzlich für eure vielfältige Unterstützung auf meinem Weg der Missionstätigkeit bedanken und dazu einladen, mich in Kenia zu besuchen. Meine Türen sind offen – ich freue mich auf alle, die zu mir nach Ololkirikirai kommen.

In bleibender Freundschaft und Dankbarkeit
euer Barabara

Bilder vom Bau der Biogasanlage:

Bilder vom Bau des neuen Rinderstalls:

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Barabara hat heute das neue Ambulanzfahrzeug vom Hafen in Mombasa abgeholt. Nach der 8-stündigen Fahrt nach Nairobi/Ngong wurde das Auto von Bischof Schilder gesegnet. In den nächsten Tagen werden noch alle Formalitäten (Kennzeichen, Versicherung etc.) erledigt und das Fahrzeug buschtauglich gemacht (d. h. ein Bumper/Stoßfänger wird montiert). Danach steht seinem Einsatz in Olokirikirai und den umliegenden Dörfern nichts mehr im Wege.

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Entspannung

In einer Außenstation der Mission Oloikirikirai kommt es noch immer zu gewalttätigen Zusammenstößen zweier Stammesgruppen, ansonsten ist es im Pfarrgebiet aber ruhig. Barabara erzählt, dass die Straßen großteils wieder frei befahrbar sind. In der Stadt Narok kehrt schön langsam wieder der normale Alltag ein, die unter den Flüchtlingen ausgebrochene Cholera konnte eingedämmt werden. Die Geschäfte sind geöffnet, aber die (Lebensmittel-)Preise sind nach wie vor hoch.
Die Lage der Flüchtlinge ist in manchen Teilen Kenias sehr kritisch. Es fehlen nicht nur Nahrungsmittel sondern auch Unterkünfte und sanitäre Anlagen. Die in Oloikirikirai aufgenommenen Flüchtlinge werden von den Gemeindemitgliedern jedoch „vorbildlich versorgt“ – Barabara lässt alle Freunde in Österreich recht herzlich grüßen, es geht ihm den Umständen entsprechend gut.

I. W.

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weiterhin kritische Lage

In Ololkirikirai ist es weiterhin ruhig, obwohl es in weiten Teilen Kenias immer wieder zu gewalttätigen Zwischenfällen und Demonstrationen kommt. Nach erneuten Zusammenstößen verfeindeter Volksgruppen haben die Behörden eine nächtliche Ausgangssperre über die nicht weit von Ololkirikirai gelegene Stadt Nakuru verhängt. Auch im benachbarten Narok übernachten zahlreiche Menschen aus Angst vor Brandstiftungen und Überfällen auf den Straßen. Die Schulen in Narok sind weiterhin geschlossen, die Preise für Benzin und Lebensmittel sind auf einem Rekordstand. Barabara erzählte, dass er ein behindertes Mädchen ins Bezirkskrankenhaus brachte. Es konnte jedoch nicht behandelt werden, da die Ärzte aus Furcht vor Gewalttaten momentan nicht arbeiten.
Barabara bittet weiter um Unterstützung im Gebet, damit bald Friede in Kenia einkehre.

I. W.

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Stammesälteste tagten

Die Lage in Ololkirikirai ist momentan etwas ruhiger. Am Sonntag setzten sich die Stammesältesten zusammen, um über die angespannte Situation zu beraten. Die Ältesten haben sich dabei für ein friedliches Miteinander ausgesprochen. In der Hauptstation selbst ist die Atmosphäre nun wieder etwas entspannter. Auch in den Außenstation scheint es momentan zu keinen gewaltsamen Zwischenfällen zu kommen. Barabara hat in seinen Sonntagspredigten zu Toleranz und Frieden aufgerufen und sich gegen Stammesrivalitäten ausgeprochen. Bei seiner Fahrt durch manche Stationen ist ihm aber aufgefallen, dass im angrenzenden Nachbarbezirk Rauchwolken aufsteigen und es dort noch immer zu Auseinandersetzungen kommt. Auch in der Bezirkshauptstadt Narok ist die Situation noch kritisch, obwohl die Geschäfte schon wieder geöffnet haben. Heute bricht Barabara nach Nairobi auf, er ist gespannt, wie die Situation in der Hauptstadt ist.

I. W.

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angespannte Situation

Barabara berichtet, dass auch in Ololkirikirai die Situation nach den Wahlen vom 27. Dezember sehr angespannt ist. Tagsüber herrscht gespenstische Leere auf den Straßen, die Geschäfte sind geschlossen und die Nahrungsmittel werden schon knapp. Nach Einbruch der Dunkelheit kommt es immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen. So wurde in den letzten Nächten in Ololkirikirai ein Mann getötet und das Haus einer Familie niedergebrannt. Die obdachlos gewordene Familie lebt nun vorübergehend im Pfarrhof. In der benachbarten Bezirkshauptstadt Narok wurden ebenfalls Häuser niedergerannt und der Markt angezündet. Die Tankstellen sind geschlossen, da es keinen Benzin mehr gibt und auch die Kommunikation via Handy ist nicht mehr möglich, da keine Wertkarten mehr verkauft werden (Barabara kann daher weder Telefonate beantworten noch SMS versenden). Falls es nicht bald zu einer Entspannung der Lage kommt, könnten auch Übergriffe auf kirchliche Einrichtungen folgen. Barabara „leidet mit der Gesellschaft“ und bittet um Unterstützung im Gebet.

I. W.

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gut in Kenia angekommen

Nach meinem Österreichaufenthalt bin ich nun wieder gut in Kenia angekommen. Ich bin sehr dankbar für die zahlreichen herzlichen Begegnungen und Gespräche. Mit vielen schönen Erinnerungen, Eindrücken und Unterstützung durfte ich in meine Heimat zurückkehren.

In der Pfarre ist während meiner Abwesenheit alles gut verlaufen. Auf meinem Schreibtisch wartete allerdings ein riesiger Stapel an (Schreib-)Arbeit und in den ersten Tagen kamen viele Leute in die Pfarrkanzlei, um Verschiedenes mit mir zu besprechen. In der Zwischenzeit gab es ein großes Treffen mit den Katechistinnen und Katechisten der 26 Stationen. Bei dieser Gelegenheit durfte ich ihnen Geld für den Kauf von Schafen übergeben. Als kleines Dankeschön für ihren ehrenamtlichen Einsatz bekommt jede/r Katechist/in ein Schaf als Weihnachtsgeschenk. Die Tiere werden gemeinsam auf dem Markt gekauft und danach ist eine Segens- und Dankesfeier geplant, bei der auch für die UnterstützerInnen aus Europa gebetet werden soll.

Letzte Woche kamen alle Pfarrgemeinderäte zusammen, um die nächsten großen Feierlichkeiten zu planen. Vor allem die Gottesdiensteinteilung für die Weihnachtstage wurde ausgearbeitet und aktuelle Probleme und Projekte in den einzelnen Stationen besprochen. Die Stimmung bei dem Treffen war gut und konstruktiv.

Gestern fand ein kleines Fest in der Hauptstation statt. Auf diese Weise wollte ich mich bei den MitarbeiterInnen in der Hauptstation für ihren Arbeitseinsatz bedanken. Das festliche Essen haben alle genossen. Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch ein wenig über meine Reise erzählen. Es war ein wirklich gemütlicher Abend, der allen gut tat.

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Ololkirikirai

Ololkirikirai liegt nordwestlich von Nairobi, es ist über die Bezirkshauptstadt Narok zu erreichen. Ein halber Tag muss eingeplant werden, um von Nairobi in die Missionsstation zu fahren, da die Straßen in schlechtem Zustand sind.

Kenia Landkarte

Das Pfarrgebiet erstreckt sich über 90 km und umfasst 26 Stationen. Auf dem folgenden Bild ist die Kirche der Hauptstation zu sehen, im gleichen Gebäude findet sich auch eine Werktagskapelle und ein Besprechungsraum.

Kirche Ololkirikirai

Innenansicht der Kirche in Ololkirikirai

Kirche_innen

Pfarrhof

05_pfarrhof11

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