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Archive for Februar 2014

Rundbrief

Fr. Richard Barabara Tarimo

Oltepesi Cultural Institute

C/o Guadalupe Fathers

P. O. Box 15931

00509 Gallerias

NAIROBI

KENYA 

Email: barabena2002@yahoo.com 

Handy: +254 722 49 88 29 oder +254 736 11 86 79


Liebe Freundinnen und Freunde!

Zuerst möchte ich mich bei euch ganz herzlich für meine schöne Zeit, die ich im letzten Sommer 2013 bei euch in Europa verbringen durfte, bedanken. Diese Wochen haben mir gut getan, weil ich mich körperlich und seelisch erholen konnte. Obwohl ich den Großteil meiner Zeit als Urlaubsvertretung in der Basilika Prüm in der Diözese Trier in Deutschland verbrachte, konnte ich trotzdem verschiedene Freunde in Wien und Umgebung treffen. Die Begegnungen und Gespräche mit euch habe ich genossen, sie haben meinen sommerlichen Aufenthalt sehr erholsam gemacht.

Wie ich schon in meinem letzten Brief erwähnte, hat mich mein Bischof gebeten, die Leitung des Oltepesi Kulturinstitutes zu übernehmen. Dies ist in der Zwischenzeit passiert. Am 10. November 2013 packte ich die ersten Bücher und brachte sie nach Oltepesi. Der Abschied von der Pfarre Ololkirikirai fiel mir sehr schwer. Zehn Jahre durfte ich dort als Pfarrer wirken. Mit weinenden Augen ging ich weg, viele Pfarrangehörige vermisse ich. Aber auf der anderen Seite blicke ich meiner neuen Aufgabe mit großer Hoffnung entgegen. Es geht für mich darum, neue Wege des Maasaiapostolats zu finden und durch diese für mich neue und ganz andere Tätigkeit v. a. auch persönlich dazuzulernen. Ich freue mich, dass ich meine pastoralen Anstrengungen weiterhin der ethnischen Gruppe der Maasai widmen darf, bei denen ich immer wieder eine neue Heimat finde und mich zu Hause fühlen darf. Mein Bischof meinte, dass ich Ololkirikirai verlassen soll, um mich in diesem Institut mit der Pflege und Weitergabe der Kultur der Maasai zu beschäftigen. Persönlich war mir die Inkulturation der Botschaft Christi in diese spezielle Stammeskultur schon immer ein besonderes Anliegen, nun darf ich dieses Anliegen auf eine besondere Weise in meinen Beruf integrieren.

Im Oltepesi Cultural Institute gibt es ein dreiköpfiges Team, das zusammenarbeitet: Mr. Murero Paul, Dr. Hans Stoks und mich. Mr. Murero ist ein Maasai, er ist ein an der Universität ausgebildeter Lehrer und Dr. Hans ist ein Ethnologe aus Holland, dessen Arbeitsschwerpunkt auf der Erforschung von Sprachen liegt. Wir alle haben langjährige Erfahrungen mit den Maasai, mit ihrem Leben und ihrer Kultur gemacht. Wir verstehen uns sehr gut, einer schönen und erfolgreichen Zusammenarbeit steht nichts im Wege.

Die erste Missionare in der Diözese  Ngong  kamen von der „Mill Hill Missionary Society”. Ihr wurde bereits am 20. Oktober 1959 das damalige Maasailand als Apostolische Präfektur von Rom anvertraut. Unter den ersten Mill Hill Missionaren waren Priester und ein Bruder: Hans Van Pinxteren, James Cronin, Tony Herrnegger, Frans Mol, Colin Davies und Bruder Hilary Rizzi. Später hat Rom Colin Davies als Bischof von Ngong ernannt, er wurde am 27. Februar 1977 geweiht. Fr. Frans Mol aus Holland hat sein ganzes Leben als Geistlicher, Schriftsteller und Forscher in den Bomas (Kraals) und Manyattas (festliche Hütten) der Maasai verbracht. Mol meinte, dass seine Aufgabe als Missionar darin bestand, die Frohbotschaft zu den Maasai in Kenia und Tansania zubringen. Er hat einen passenden Weg gefunden: Um das Wort Gottes in der Kultur der Maasai zu inkarnieren, fand er es unbedingt notwendig, die Sprache und Kultur dieser Menschen zu lernen. Die ethnische Gruppe der Maasai in Kenia erstreckt sich über zwei Bundesländer (Narok und Kajiado).

Sie sind derart stolz auf ihre eigene Kultur, dass sie bisher der Botschaft Christi weit entfernt blieben, um ihre kulturellen Werte zu bewahren. Wir möchten die Maasai ermutigen, ihre Türen für das Christentum zu öffnen und sich von der Botschaft Jesu zusätzlich beschenken zu lassen.

Frans Mol et al. haben mit einem  großen „Ja-Wort“ des Bischofs mit einem speziellen Apostolat für die Maasai begonnen. Dieses apostolische Engagement begann, als sich immer mehr herausstellte, dass den Maasai von Kirchenseite her bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Zur Unterstützung dieses Apostolats wurde 1978 in der Diözese ein spezielles Zentrum in Lemek (Bezirk Narok) eingerichtet, das Maasai Zentrum. Das Apostolat unter den Maasai florierte, doch unglücklicherweise ging das Engagement zurück, da manche Mitglieder versetzt wurden oder starben.

1980 begann Rev. Fr. Frans Mol, pastoral Arbeitende und Ausgebürgerte in der Sprache Maa zu unterrichten und Materialien in der Sprache der Maasai für die Diözese Ngong und darüber hinaus zu entwickeln. Die Diözese wertete das Maasai Zentrum auf, das neue Institut wurde „Oltepesi Kulturinstitut“ genannt. Der Name des Instituts wurde von der Schirmakazie abgeleitet, die auch unter dem wissenschaftlichen Namen „Senegalia abyssinica“ bekannt ist. Das Institut soll allen Kulturen Schatten geben. Das Betätigungsfeld und der Auftrag des Instituts wurden erweitert, es arbeitet nun nicht nur für die Maasai sondern für alle Stämme.

Menschen sind unterschiedlich und das ist gut so. Das Zusammenkommen der verschiedenen Kulturen kann friedlich verlaufen. Oft aber sind Unterschiede auch Auslöser von Missverständnissen, Auseinandersetzungen und Krieg. Das OCI versucht durch spezielle Studien, Kurse und Seminare zum Thema „Kultur/Interkulturalität“, ethnische Konfliktpotentiale zu entschärfen. Menschen aus verschiedenen Stämmen sollen einander kennen lernen und das Gute in der Kultur des anderen entdecken.

Das Institut bietet Sprachkurse für Maa und Kalenjin an und erarbeitet Übersetzungen von anderen Sprachen in Maa und von Maa in andere Sprachen. Für Lehrer/innen an Schulen werden Sprachkurse angeboten, damit die Maasaikinder ihre Muttersprache besser erlernen können; Muttersprachewörterbücher werden ausgearbeitet; außerdem gibt es noch gemeinsame Alphabetisierungskurse für erwachsene Maasai und Nichtmaasai. Universitätsstudent/innen und Interessierte können im Institut verschiedene Landes- und Stammeskulturen kennen lernen und Interkulturalität auf eine besondere Weise erfahren und sich über ihre eigenen Kulturwerte austauschen.

Bei uns gibt es eine sehr reichhaltige Bibliothek, die mit vielen historisch interessanten Bücher und Skripten über die Maasai und die kulturellen Strömungen anderer afrikanischer Völkern beeindruckt. 

Natürlich bin ich noch ein Geistlicher, dessen besonderes Interesse in der Pastoralarbeit liegt. Mein Herzensanliegen, die Seelsorge an den Menschen in der Umgebung hat nach wie vor bei mir den Vorrang. Auch für den Umweltschutz möchte ich mich weiterhin einsetzen. Mein neues Arbeitsumfeld liegt in einer Halbwüste, viele Akazien (Iltepes Bäume) wurden abgeholzt. Mit Seminaren und Vorträgen möchte ich die Menschen über die wichtige Bedeutung der Bäume für das Klima und den Boden informieren und zum Wiederaufforsten motivieren. Seminare über Interkulturalität, Glaube und Kirche möchte ich anbieten sowie Projekte zur Friedenssicherung zwischen den Stämmen initiieren.

Das Oltepesi Cultural Institut liegt südöstlich von Nairobi, im tiefen Maasailand, in der Nähe eines der ältesten Nationaltierparks, dem Amboseli, in Kenia. Von der Stadt Kajiado liegt das Institut etwa 70 km entfernt. Man muss zuerst bis zu dem kleinen Dorf Mashuuru und von dort weitere 10 km, damit man das Ziel erreicht. Statt von Kajiado könnte man auch via Mombasa Road anreisen und bei Sultan Hamud auf der rechten Seite abbiegen. Ab Sultan Hamud an der Mombasa Road sind es noch ca. 45 km bis Oltepesi.  

Die Umgebung vom OCI ist wunderbar! Ein flaches, weites Land, in dem man viele große „Iltepes“, d.h. Senegalia Abyssinica Bäume sieht, die wild wachsen. In freier Wildbahn tummeln sich auch manche Tiere wie Giraffen, Strauße, Antilopen. Ab und zu gehen auch Löwen und Elefanten vorbei. Oltepesi ist aber kein zweites Ololkirikirai, wo es sehr kalt, regnerisch und frierend ist, sondern umgekehrt – Oltepesi ist ganz trocken, heiß, mit wenig Wasser. Natürlich gibt es bei diesem Klima zahlreiche Moskitos, Schlangen und alle Typen von Echsen. Wir haben kein Spital im Ort, das nächste befindet sich in Kajiado oder Sultan Hamud; aber es gibt in Mashuuru eine ambulante Krankenstation (10 km entfernt), in der man gut behandelt werden kann.

Leider ist das Funknetz hier ein großes Problem. Ich bin von der Telekommunikation fast ausgeschlossen. Das Netz bietet sowohl für das Handy als auch für das Internet wenig bis keinen Empfang.

Die Transportmöglichkeiten sind in dieser Umgebung sehr, sehr eingeschränkt. Man sieht keine Autos. Wenn man irgendwohin fahren will, muss ein Bus benützt werden, der werktags nur einmal nach Kajiado oder Sultan Hamud fährt. Die Fahrgäste müssen um 5 Uhr früh bereit sein, um mit dem Bus fahren zu können. Obwohl Mashuuru und Oltepesi in der Halbwüste liegen, kann es ab und zu regnen. Bei Regen kommt es leicht zu Überschwemmungen, so dass der Ort von der Umwelt abgeschnitten ist und die Menschen eingeschlossen sind.

Bis jetzt haben weder ich noch das Institut ein Auto. Mein geliebter, starker und schöner Landkruizer Pick Up blieb bei meinem Mitbruder in Ololkirikirai. Ich weiß noch nicht, wie sich mein Apostolat in der Mission Mashuuru, dieich seelsorglich betreue, so ganz ohne Auto gestalten wird. Die Außenstationen der Mission (ca. 12 bis 15 km entfernt) kann ich momentan nur zu Fuß besuchen. Bei diesen langen Märschen merke ich, dass ich nicht jünger werde – mein Rücken, meine Beine und Hände machen sich bemerkbar; eigentlich bräuchte ich ein Fahrzeug.

Nun möchte ich mich bei euch allen für eure vielfältige Unterstützung in meinem Maasai-Apostolat bedanken, dem ich mich nun schon über 26 Jahre widme. Viele Früchte, die aus meinem pastoralen Einsatz gewachsen sind, waren nur durch die spirituelle, materielle, finanzielle und mentale Hilfe von euch möglich. Vergelt’s Gott!

Euer dankbarer Barabara

 

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