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Archive for Mai 2010

Rundbrief

Ololkirikirai Catholic Mission

P.O. Box  317, 20500 NAROK, KENYA

Mai 2010

Liebe Freundinnen und Freunde,

ich darf euch liebe Grüße von den Menschen aus meiner Pfarrei Ololkirikirai übermitteln. Ich bin euch sehr dankbar, dass ich vor einigen Monaten (September und Oktober 2009) wieder eine wunderschöne Zeit in Europa verbringen durfte, in der ich sehr gut auftanken konnte. Jetzt gerade bin ich wieder in Wien gelandet, wo ich im vollen Sinne eine echte Erholung genießen kann. Diesen Aufenthalt verdanke ich meinem ehemaligen Professor für Moraltheologie, emer. Univ.-Prof. Dr. Günter Virt. Er hat mich eingeladen, seinen 70. Geburtstag mitzufeiern. Ihm bin ich sehr dankbar für diese Möglichkeit, durch die ich meine ehemaligen Professor/innen und Studienkolleg/innen der Universität Wien treffen, mich mit ihnen austauschen und an aktuellen moraltheologischen Diskussionen teilnehmen konnte.

Diese Gelegenheit darf ich nun auch dazu verwenden, um euch in aller Freiheit wieder über mein Leben und die Pfarrei zu erzählen.

Das Wetter bei uns in Ololkirikirai und im Land Kenias ist im Allgemeinen sehr regnerisch. Aufgrund dieses Umstands sind die Straßen oft unpassierbar, Ostern war daher für mich eine Zeit des Leidens. In Mitten des Osterfestes bin ich auf dem Weg von Gründonnerstag bis Ostersonntag zahlreiche Kilometer unterwegs gewesen, um den Menschen im ganzen Gebiet Ololkirikirai die österliche Botschaft zu bringen. Am Sonntag, dem letzten Tag meines Programms, bin ich drei Stunden im Schlamm stecken geblieben. Der große Toyota Landcruiser konnte vom fahrenden Pfarrer und dem Beifahrer allein nicht geschoben werden. Ich war zu müde und erschöpft in diesen Tagen, da ich sehr zeitig in der Früh aufgestanden und immer sehr spät ins Bett gekommen bin. Um ½ 10 Uhr abends kam ich nach diesem „Schlam(m)assel“ hundemüde nach Hause.

Wenn ich hier bin, kann ich mich erholen, Freundschaften pflegen und die freie Zeit gut zum Schreiben nützen. Ich freue mich, dass die Verbindung und Verbundenheit mit euch herzlich ist und dass daraus für die Pfarrei Ololkirikirai eine Quelle besseren Lebens geworden ist. Ich erfahre große Erfüllung in meiner Arbeit, die von euch in vielen Aspekten unterstützt wird.

Früher habe ich immer gesagt, dass meine Tätigkeit aus drei Bereichen besteht, um das Evangelium gut weitergeben zu können. Nach sieben Jahren pastoraler Tätigkeit  in Ololkirikirai liegen meine Arbeitsschwerpunkte noch immer auf diesen drei Prioritäten, d. h. der Verkündigung des Evangeliums, der karitative Tätigkeiten und der umweltverträglichen Existenzsicherung. Es geht gut weiter mit viel Erfolg.

Verkündigung

Seit dem Oktober letzten Jahres bis jetzt ist in der Pfarre Ololkirikirai wieder sehr viel passiert. In meinem Herzen liegt vor allem die pastorale Arbeit, in der ich als Priester große innerliche Erfüllung erfahre. Als Priester liegt mir vor allem in der Begleitung des Glaubens der kleinen Gemeinschaften (Basisgemeinden) unserer Pfarrei sehr viel. Die Verbreitung der Frohen Botschaft geht weiterhin gut, weil ich von den Katechist/innen gut unterstützt werde. Selbstverständlich sind die mehr als 30 ehreamtlichen Katechist/innen in den insgesamt 26 Außenstationen nicht genug, weil sie sich meist nur für kurze Zeit zur pastoralen Arbeit zur Verfügung stellen. Die Mitglieder der Basisgemeinden nehmen verschiedene Aufgaben, nach ihren persönlichen Begabungen, wahr, und leisten so einen unverzichtbaren Beitrag zur Stärkung des christlichen Glaubens in der Pfarre. Nur durch das großartige Engagement der kleinen christlichen Gemeinschaften ist das kirchliche Leben so lebendig und fruchtbar.

Die Lehrtätigkeit ist eine Aufgabe, die ich sehr ernst nehme, um mehr Mitarbeiter/innen im Feld des Herrn zu gewinnen. Es geht darum, die Ortskirche weiter aufzubauen. Der Traum meines Priesterseins unter den Maasai ist die „Inkulturation“. Mir geht es um einen wertschätzenden Umgang mit guten Stammestraditionen und deren Integration in das Christentum. Früchte dieser Integration wären für mich eine wachsende Selbständigkeit der Ortkirche in der Leitung, Verkündigung und der materiellen Entwicklung. Um es weiter zu bringen ist ein Katechistenkurs unbedingt notwendig. In den 26 Stationen kann ich unmöglich alles allein bewältigen, da brauche ich unbedingt Helfer/innen, die mit mir den Evangelisierungsprozess  vorantreiben. Ich gehe davon aus, dass die beste Methode für das heimische, kirchliche Wachstum des Volkes von ihren eigenen Leuten abhängt. Die verschieden Basisgemeinden haben ihre Aufgaben, eine davon ist die Katechismuslehre. Ein Mitglied der Basisgemeinde nimmt diese Stelle als Katechist wahr, um den anderen Menschen die Botschaft Gottes zu bringen. Sie lade ich zu Kursen ein, in dem sie für diese spezielle Aufgabe aus- und weitergebildet und dann wieder in ihre Gemeinden für die Evangelisation zurückgesandt werden. Heuer haben wir bereits mit einer Planungsgruppe, bestehend aus ausgebildeten Katechist/innen, begonnen, welche einen sechswöchigen Grundkurs für neue Katechist/innen gemeinsam mit mir leiten werden. Die folgenden Themenbereiche: Glaube, Sakramente, Methodologie, Kirchengeschichte und Liturgie werden in den jeweils vierzehntätigen Kursen behandelt. Von 11. bis 25. April fand die erste Ausbildungseinheit statt, der Katechistenkurs sehr gut gelaufen. Für August und Dezember sind jeweils wieder zweiwöchige Kurse geplant, an deren Ende die Teilnehmer/innen wahrscheinlich auch ein Zeugnis erhalten.

Pfarrgemeinderatswahl

Alle drei Jahre finden Pfarrgemeinderatswahlen statt. Im März dieses Jahres haben wir in allen Stationen die Pfarrgemeindevertreter/innen für diese Aufgabe gewählt. Als Vorbereitung für diese Wahl luden wir die Gläubigen zu einer Novene ein. Von 5. bis 14. März waren zur „Wahlvorbereitung“ diese speziellen Gebetszeiten, am 15. März wählten dann die verschiedenen Basisgemeinden ihre Kandidat/innen. Am 21. März wiederum hat jede Station (Kirche) ihre Pfarrgemeinderäte gewählt. Am 29. März schließlich bildete sich der ganze Pfarrgemeinderat (aus Vertreter/innen der 26 Stationen) und der stellvertretende Vorsitzende wurde festgelegt. Es war schön zu beobachten, wie unsere kleine Kirchen bzw. Gemeinden ihre Wahl reif und verantwortlich trafen. Diese Wahl könnte ein gutes Beispiel für die nächsten Regierungswahlen in Kenia sein.

Klemensfeiertag

Wien und das Maasailand waren am Klemensfeiertag besonders miteinander verbunden. Am 15. März, dem Gedenktag des Heiligen Klemens Maria Hofbauer wurde in der Station Enarau (15 km von Ololkirikirai entfernt) ein großes Fest gefeiert. Ich durfte einem Festgottesdienst vorstehen, der mit besonders viel Gesang und Tanz  sehr feierlich gestaltet war. Im Anschluss daran gab es Speisen und Getränke, die von den Maasaifrauen vorbereitet wurden. Inmitten der Feiernden waren auch Gäste aus Europa, Anna und Ferdinand Brandstetter, die bei mir zu Gast waren. Sie haben sich sehr gefreut, dass sie bei dieser Feierlichkeit dabei sein durften.

Zu Ostern haben wir in der Klemenskirche auch die Osternacht gefeiert, in der 21 Erwachsene getauft wurden. Die Kirche war gesteckt voll, viele Mitfeiernde fanden nur mehr vor der Kirche Platz. Wie es bei großen Festen üblich ist, haben die Leute viel gesungen, getanzt, gegessen und getrunken – bis in der Früh. Christus ist aufgestanden. Halleluja.

Mit ihrem „Technik-know-how“ haben Ferdinand und seine Frau Anna der Pfarrei Ololkirikirai viel geholfen. Anna hat unsere verschiedenen Kleider in der Kirche und andere Pfarrräume verschönert. Ferdinand hat alle technische Dinge, die gebrochen waren, wieder zusammen gebracht: Die Wasserleitungsrohre, die gebrochene Toilette – alles, was kaputt war, wurde repariert. Das Kartoffellager, welches von ihnen geplant wurde, konnte jedoch aufgrund des vielen Wassers in der Erde nicht gebaut werden. Die hohe Feuchtigkeit wäre ungünstig für die Lagerung der Kartoffeln. Ich bin ihnen sehr dankbar, für ihre unermüdlichen Bemühungen.

Die Redemptoristen in Wien sind mit den Maasai sehr verbunden. Pater Andreas Hiller von der Marienpfarre hat uns wieder Geld für einen neuen Kirchebau gegeben. Die neue Kirche soll eine „Andreaskirche“ werden, dem Heiligen Apostel Andreas geweiht, dessen Namen auch Pfarrer Hiller trägt. Die Kirche wird bald gebaut werden und ich darf schon jetzt – im Namen der Maasai – den Redemptoristen in Wien ein herzliches „Vergelts Gott“ sagen.

Karitative, sozialeTätigkeiten

Die zwei pfarrlichen Krankenstationen in Ololkirikirai und Olorropil bieten der Bevölkerung in der Umgebung ein Mindestmaß an medizinischer Versorgung. Unser Ambulanzfahrzeug für die Kranken (Mobile Clinic) bewährt sich sehr gut. In unserer Umgebung sind die Menschen recht arm, deshalb ist auch die finanzielle Situation der Ambulanzstationen nicht besonders gut. Die Kranken können öfters die Medikamente und Behandlungskosten nicht zahlen, d.h. die Einnahmen für den Einkauf der Medikamente und die Gehälter der Krankenschwestern sind sehr gering.

Ich kümmere mich noch um die Behinderten in unserem Gebiet. Dieser Tätigkeitsbereich gestaltet sich immer schwieriger, weil die Angehörigen der behinderten Kinder die ganze Sorge an uns übertragen wollen. Ich kann aber meist nur seelischen Beistand anbieten.

Kindergarten

Der Kindergarten ist mein Kopfkind gewesen. Aber seit dem Beginn wird er im Herzen und auch finanziell von Fr. Gertrude Reisner aus Wimpassing mitgetragen. Seit diesem Jahr wird der Kindergarten auch von Fr. Reimitz aus der Marienpfarre und ihren Freunde mitfinanziert. Durch die Unterstützung aus Europa können nun viel mehr arme Kinder in unserem Kindergarten betreut werden – Kinder aus Familien, die auch den relativ kleinen Kindergartenbeitrag nicht bezahlen können. Im Kindergarten haben wir drei Stufen, dem kenianischen Ausbildungsprogramm entsprechend: Die Kinder treten mit 2 ½ Jahren in die „Babyklasse“ ein. In der zweiten Stufe fangen die Kleinen an, schon etwas zu lernen. In der dritten Stufe werden sie auf den Eintritt in die Primärschule vorbereitet. In diesem Jahr haben wir mit einer pfarreigenen Primärschule begonnen. Aus unserem Kindergarten besuchen 13 Kinder die erste Klasse der Primärschule. Insgesamt werden also momentan 72 Kinder von der Pfarre in Ololkirikirai unterrichtet: 25 Kinder sind in der Babyklasse, in der zweiten Kindergartenklasse sind 18 und in der dritten Klasse 16 Kinder; in die erste Primärschule gehen 13 Schüler/innen. Allen, die mithelfen, sage ich DANKE.

Wirtschaft und Umwelt

“Ora et Labora” vom Hl. Benedikt bleibt noch immer das Motto für mich. Nachdem wir in der Hauptstation auch wirtschaftlich schon sehr viel geleistet haben: Solarstrom, Katechistenwohnhaus, Unterwassertank, Kuhstall mit Biogasanlage, Schafe- und Hühnerhaltung versuchen wir  nun, den Anbau zu verbessern. Kartoffeln und anderes Gemüse soll künftig nur mehr mit rein biologischen Pflanzenschutzmitteln und Düngern angebaut werden. Ein Pflanzenbauexperte hat mehrere Seminare über „Biofarming“ abgehalten. Es ging darum, wie man ohne artifizielle Methoden den Garten düngen kann, nur mit Rinder-/Schaf-/Hühner-Dung, der in kleinen Ort den Feldertrag erhöht. Dies soll schließlich zu einer besseren Ernährung der Menschen vor Ort und dadurch auch zu einem besseren Lebensstil beitragen.

Schüler/innen der Gartenbauschule Schönbrunn mit ihrem Prof. Ing. Bernhard Wagenknecht unterstützten mich beim Wiederaufforstungsprojekt. Die gesponserten Bücher über die Wichtigkeit der Bäume für Klima, Landwirtschaft und Menschen sind eine große Hilfe. Unseren Jugendlichen wird so auf sehr anschaulich Weise die Bedeutung der Wälder näher gebracht. Im gesamten Pfarrgebiet pflanzen wir Setzlinge und halten Vorträge über die Wichtigkeit der Bäume.

Politisches Klima in Kenia

Die politische Situation in Kenia ist momentan wieder sehr schwierig. Die möglichen Inhalte der neuen Verfassung sind äußerst umstritten. Das Land ist gespalten: die Politiker auf der einen Seite, die Kirchen auf der anderen Seite. Die Hauptstreitpunkte betreffen das Leben der Menschen (Beginn und Ende des menschlichen Lebens insbesondere Abtreibung) und den Kadhi Court (d. h. Muslime haben eigene Gerichtshöfe). Wenn die neue Verfassung nicht noch gut überarbeitet wird, kann sich wieder eine große Hoffnungslosigkeit breit machen – so wie damals nach den großen Unruhen der Präsidentschaftswahl im Jahr 2007.

Die Situation in Kenia ist zusätzlich noch angespannt durch die ethnische Säuberung der letzten Jahre. Die Hoffnungslosigkeit von damals kann wieder erstarken, wenn es Luis Moreno-Ocampo vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag nicht gelingt, die Verantwortlichen für die ethnischen Säuberungen von 2007 dingfest zu machen.

Tief betroffen und schockiert war ich vom Tod meines Freundes Willy Benesch aus Mauerbach, der am 29.12.09 ganz überraschend an Leukämie gestorben ist. Willy hat mich vor wenigen Jahren in Ololkirikirai besucht und sich sehr für meine Projekte in Afrika eingesetzt. In dieser Zeit der Trauer und des Abschiednehmens fühle ich mich besonders mit Anni Benesch, der Frau meines verstorben Freundes, verbunden. Möge Gott ihn aufnehmen in sein himmlisches Reich ewiger Freude.

Ich bedanke mich bei euch ganz herzlich für die schöne Zeit in Österreich und in Kroatien, die zahlreichen Begegnungen und jegliche Form von Unterstützung, die mir in so vielfältiger Form gereicht wird.

Euer Richard Barabara Tarimo

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Katechisten

Elisabeth Jakob möchte Barabara bei der Finanzierung des Katechistenkurses in Ololkirikirai helfen. Aufgrund von fehlenden finanziellen Mitteln konnten am letzten Kurs 13 Katechisten nicht teilnehmen. Die zwei Kurswochen kosten pro Kopf 50 €; Unterkunft, Vollpension, Referentenhonorare und Unterlagen werden damit abgedeckt. Wer die Kurskosten von zumindest einen Katechisten übernehmen möchte -> € 50 auf Barabaras Spendenkonto (Bank Austria, Kontonummer 502 041 524 63, BLZ 12000) einzahlen und beim Verwendungszweck „Katechistenkurs“ anführen.

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