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Archive for Mai 2008

Post für Barabara

Ingrid Wolf wird am 6. Juli 2008 nach Kenia fliegen, um dort u. a. auch Barabara in Ololkirikirai zu besuchen. Wer Briefe mitgeben möchte, kann diese bis 4. Juli entweder in der Marienpfarre (1170 Wien) oder im Pfarramt Maria Rast (3001 Mauerbach) abgeben oder sie direkt an Fr. Wolf senden (Kannegasse 4/8, 1150 Wien; ingrid.wolf(at)gmx.at). Sie ist gerne breit, die Post persönlich zu überbringen.

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Rundbrief Mai 2008

Liebe Freunde!
(Rundbrief Download als .pdf)
Ich darf euch allen liebe Grüße von Ololkirikirai ausrichten. Mir geht es ganz gut, obwohl ich noch immer alleine als Priester in dieser großen Pfarrei arbeite. Die Missionstätigkeit wird nicht weniger. Nachdem ich eine so schöne Zeit in Österreich und auch in Deutschland mit euch genossen habe, möchte ich euch nun wieder in Form eines Rundbriefes über den aktuellen Stand in meiner Mission informieren.

Die letzten Monate waren in Kenia von Gewalt gekennzeichnet. Es ist so Schreckliches geschehen. Viele haben sich um mich Sorgen gemacht und nachgefragt, wie es mir in dieser Zeit der Unruhe und der Ausschreitungen geht. Nach Telefonaten haben Freunde in Wien die jeweils aktuelle Situation in meinem Weblog (www.barabara.at) veröffentlicht, danke dafür. Ich bin euch für eure Sorge und Betroffenheit in dieser schwierigsten Zeit Kenias zutiefst dankbar. Ich spürte, dass ihr mit mir sehr verbunden wart.

Es ist fünf Monate her, seit ich bei euch in Europa war. Nach meinem schönen Aufenthalt bin ich gut in Nairobi angekommen. In dieser Zeit gab es schon erste Signale, dass sich die politische Situation des Landes verschlechtert hatte. Es wurde berichtet, dass es in manchen Gebieten Kenias bereits blutige Auseinandersetzungen unter den eigenen Landesleuten gab. Die Situation war angespannt.

Eine rapide Verschlechterung der politischen Lage setzte mit dem 27. Dezember 2007 ein – dem Tag er Wahl des Präsidenten. Mit der verspäteten Veröffentlichung der Wahlergebnisse ist klar geworden, dass das Land noch mehr in Unruhe geraten wird – die Gewalt eskalierte. Weltweit berichteten die Medien von den schrecklichen Vorgängen in unserem Land. Die Fastenzeit war für uns wirklich eine sehr herausfordernde Periode. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Wir waren schockiert, als wir die Gewalt gesehen haben. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm, es wird viele Jahre dauern, bis sich die Ökonomie davon erholt. Der größte Schaden aber liegt in den Köpfen und Herzen der Menschen. Ein langer Heilungsprozess wird notwendig sein, damit diese tiefen und schmerzvollen Wunden heilen können. Die Medien haben uns grausame Bilder gezeigt – wie ein Nachbar (vielleicht auch ein Christ) den anderen umgebracht (ja, abgeschlachtet) hat.

Gott sein Dank – mein Leben wurde in dieser Situation verschont, aber auch noch jetzt lebe ich nicht ohne Schmerz, in meine Seele wurde durch diese Vorgänge tiefe Wunden gerissen. Jemand von euch hat mir geschrieben und dabei den Philosoph Baruch de Spinoza zitiert: „Die Herzen werden nicht durch Waffen, sondern durch Liebe und Edelmut gewonnen.“ Als Christ kann ich nur an Jesus denken, der von der Dunkelheit des Todes ins Licht der Auferstehung gereist ist. Jesus hat gegen alles, was uns Tod bringt gekämpft und gewonnen; in diesem Sinne hat er uns die Aufgabe und Kraft gegeben, damit wir in seine Fußstapfen treten und ihm folgen können. Christus gibt uns den Frieden, den niemand uns geben kann. Es zahlt sich nicht aus, wenn man das alttestamentliche Recht und die Regel “Lex Talionis” ausübt (d.h. Vergeltung von Gleichem mit Gleichem). Eine solche Regel kann nur eine Kette des Hasses und der Wut verursachen. Frieden, Versöhnung und Vergebung liegen im Herzen der christlichen Botschaft. Man sollte immer Franz von Assisi vor Augen haben: „Make me the channel of your Peace.” Diese Gedanken bildeten in den letzten Monaten das Herz meiner Predigten.

In dieser wahrscheinlich dunkelsten Zeit des Lebens, die wir in unserem Land erfahren haben, gab es aber auch viele Taten der Barmherzigkeit: Familien haben andere, von Gewalt betroffene Familien, die als Flüchtlinge umherirrten, aufgenommen. Man versuchte sich gegenseitig in der Hoffnung zu bestärken und untereinander Brücken zu bauen.

In unserer Missionsstation gab es auch gewaltsame Ausschreitungen. Ein Nicht-Maasai wurde getötet und sein Bruder fast zu Tode gehackt. Dank schneller Hilfe überlebte der Man, aber er ist jetzt ganz behindert. Wer wird sich um seine große Familie mit den vielen Kindern kümmern? In der Nachbarschaft wurde eine Familie in der Nacht verfolgt und ihr ganzes Haus niedergebrannt. Sie haben die Nacht im Bush verbracht. Dieser Familie haben wir eine Unterkunft im Pfarrhof gegeben.

Liebe Freunde! Bei meinem letzten Besuch in Europa habe ich mich gut erholt und aufgetankt. Mein 50. Geburtstag und 20-jähriges Priesterjubiläum, die ich mit euch feiern durfte, haben mir wieder innere Kraft und Energie geschenkt, so dass ich mich in meiner Missionsarbeit noch sehr lebendig und gut einsetzen kann. Für das große Geschenk der Reise nach Europa bin ich euch sehr dankbar.

Das letzte Weihnachtsfest war nicht besonders. Meiner Meinung nach haben viele Menschen und Christen ihre ganze Aufmerksamkeit der bevorstehenden Wahl geschenkt. Trotz allem war Weihnachten in vielen Orten, in denen wir die Eucharistie feiern konnten, ein schönes Fest, welches Freude unter die Christen gebracht hat.

Im Februar war Frau Evi Rehak aus Österreich zum ersten Mal bei mir in Afrika zu Besuch. Ich muss sagen, ihr Besuch war für mich sehr bereichernd. Ich danke ihr ganz herzlich dafür. Ihre Erlebnisse und Eindrücke hat sie ein einen Bericht zusammengefasst (siehe: http://www.barabara.at).

Zu Ostern habe ich bemerkt, dass die Leute irgendwie gespürt haben, dass sie Gott „aus dem Fenster geworfen hatten“ und nun versuchten, ihn wieder zu finden. Die Kirchen waren während der liturgischen Feiern gesteckt voll. Ich hatte Glück, dass unser Generalvikar, Paul Naikisi Ole Karbolo zu mir gekommen ist, um mich bei den Ostergottesdiensten zu unterstützen. Wir konnten in den fünf Tagen (Gründonnerstag bis Ostermontag) fast alle Stationen besuchen und Eucharistie feiern. Es war wirklich eine Zeit der Auferstehung vom Tod, von der Finsternis zum Licht, eine Zeit der Vergebung und Versöhnung. Gott sein Dank haben die „Hauptvertreter“ der politischen Parteien in Kenia das Gleiche gemacht. Wir freuen uns sehr darüber.

Momentan haben wir eine „Novene“ (neuntägiges Gebet) als Vorbereitung für Pfingsten, in der jede Kirche an jedem Tag einen Gebetskreis bildet. Sie versuchen nicht nur zu beten, sondern auch Bibeltexte zu lesen und darüber nachzudenken.

Ich darf euch auch ein wenig von den materiellen Aspekten meines Bemühens erzählen. Als Moraltheologe ist mir die Bewahrung der Schöpfung ein großes Anliegen. Ich bedanke mich an dieser Stelle für eure Unterstützung, mit der ich umweltverträgliche Projekte umsetzen konnte. Die Solarenergieerzeugung funktioniert noch sehr gut. Das Wasser vom neuen Tank (ca.100.000 Liter) können die Menschen aus der Umgebung schon genießen. Es wird auch ins Pfarrhaus gepumpt. Wir haben jetzt nicht nur fließendes, sondern durch einen Solarwarmwassertank auch warmes Wasser, das zum Duschen in diesem kalten Klima von Ololkirikirai einfach wunderbar ist. Wir haben zusätzliche Rinder gekauft und einen Kuhstall gebaut. Inzwischen konnte mit einem Kredit auch eine Biogasanlage errichtet werden. Mittels Kuhdung wird Biogas erzeugt, das wir bereits zum Kochen verwenden. Ich freue mich und bin stolz, dass wir uns auf diesem Weg für die Natur und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Ich denke, diese umweltfreundliche Energieerzeugung kann Afrika vor vielen Naturkatastrophen bewahren.

Ich möchte euch noch meine große Freude und die Freude unserer Leute in Ololkirikirai über das neue Ambulanzfahrzeug mitteilen. Am 27. März konnten wir den Krankenwagen „Toyota Landcruiser Ambulance“ von „Mombasa Port“ abholen. Ich darf allen, die das Auto von MIVA-Austria mitfinanziert haben, im Namen der Menschen von Ololkirikirai und in meinem Namen großen Dank ausdrücken. Das Auto wird als mobile Klinik und zum Krankentransport verwendet. Von meinem alten Auto, Toyota Hilux, habe ich schon berichtet. Es ist irgendwie kaputt. Die Instandhaltung kostet sehr viel, weil manche Fahrzeugteile schon ermüdet sind. In den letzten Tagen hat es mich mehrere Male auf der Straße im Stich gelassen. Als ich bei euch war, haben mache Freunde mich ermutigt, bald um ein neues Fahrzeug bei MIVA anzusuchen. Die Kreditrückzahlung für die Biogasanlage und ein neuer Pick up sind unsere nächsten (Finanzierungs-)Projekte.

Am Ende meines Briefes möchte mich wieder bei euch allen ganz herzlich für eure vielfältige Unterstützung auf meinem Weg der Missionstätigkeit bedanken und dazu einladen, mich in Kenia zu besuchen. Meine Türen sind offen – ich freue mich auf alle, die zu mir nach Ololkirikirai kommen.

In bleibender Freundschaft und Dankbarkeit
euer Barabara

Bilder vom Bau der Biogasanlage:

Bilder vom Bau des neuen Rinderstalls:

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